Das Lütt Huus - Ein Nachruf
Hallali - die Sau ist tot!
Jäger und Treiber
kommen zusammen, brechen den Zweig und tauchen ihn in das frische Blut.
Aber wer erhält den Bruch für seinen Hut? Hat einer der vielen Schüsse
mit Schrot und Kugel
die Sau gestreckt oder wurde sie nur einfach zu Tode gehetzt?
Die Sau wird fachkundig
begutachtet und da stellt man plötzlich fest, daß die Sau gar keine
Sau,
sondern eines der letzten Exemplare seiner Art war. Und auch die vielen Parasiten,
die auf dem Wesen lebten, gehören zu einer seltenen Rasse.
Seit über zwanzig
Jahren in "Lüddels" Hand gehörte das Lütt Huus
zum Leben des Volks-Dorfes.
Legendär die Sessions, spektakulär die Auftritte internationaler Jazz-Größen,
toll das Engagement
und die Entwicklung junger Musiker. Die Hamburger Szene im Dorf, um die Ecke,
ideal um nur
mal eben reinzuschauen. Seit Jahren Montags die Stammdisco der Volksdorfer Jugend
und
but not last auch ein beliebter Baggersee im Nordosten.
Cui bono - wem nützt
es? Arbeitsplätze weg, eine selbständige Existenz ruiniert,
das Dorf-Leben verarmt, warum bloß?
Eigentlich sollte man sich
freuen, daß ein Einzelner viel bewegen kann; gibt es doch Mut, gegen
Mißstände vorzugehen. Zwei private Kläger gegen Airbus, ein
Wachtelkönig gegen ein Gewerbegebiet.
Warum nur der bittere Beigeschmack? Der Einsatz von Recht ist eben nicht zwingend richtig oder gerecht.
So sei den Töchtern
und Söhnen von Pontius Pilatus nur bedingt gedankt, daß letztlich
von einer Vielzahl
von Stichen (Lärmschutz, Schankordnung etc.) zwar kaum durchstechen konnten,
aber doch gezeigt wurde,
daß Recht und Verordnung, recht angewandt, dem Schutzbedürfnis eines
Individuums gerecht werden können.
Da habt ihr es nun, ihr
Jäger und Treiber; die Sau ist tot. Möge sich auch eure heutige klammheimliche
Freude läutern.